Roger Waters (Absolutely) winning Progressive German's Heart
Bilingual German-English
George Roger Waters told Haaretz that he will continue to boycott Israel as long as it remains "the State of the Jews." Wegen seiner Äußerungen zu Wladimir Putin und zu Israel steht Pink-Floyd-Star Roger Waters in der Kritik. Nun startet er seine Deutschlandtour.
Roger Waters wins legal battle to gig in Frankfurt amid antisemitism row. Frankfurt Court rules in favour of former Pink Floyd frontman despite ‘tasteless’ use of Nazi-inspired symbolism.
Magistrates acting on behalf of the German city had instructed the venue two months ago to cancel the concert on 28 May, accusing Waters of being “one of the most widely known antisemites in the world”. Waters, who has always denied accusations of antisemitism, took legal action against the decision.
Frankfurt’s administrative court has now declared his right to go ahead with the event. While acknowledging that aspects of his show were “tasteless” and obviously lent on symbolism inspired by the Nazi regime, it cited artistic freedom among its main reasons for the decision.
The city has the right to appeal against the ruling.
City authorities in Frankfurt and elsewhere in Germany had objected to the concert on the grounds that a previous tour had featured as part of the stage show a balloon shaped like a pig depicting the Star of David and various company logos.
Part of their criticism related to the location of the concert, the Festhalle, in which, during the November pogroms of 1938, more than 3,000 Jewish men from Frankfurt and surrounding areas were rounded up, abused and later deported to concentration camps where many of them were murdered.
However, the court said that despite the Waters show making use of “symbolism manifestly based on that of the National Socialist regime” – the tastelessness of which it said was exacerbated by the choice of the Festhalle as the venue due to its historical background – the concert should be “viewed as a work of art” and that there were not sufficient grounds on which to justify banning Waters from performing. “It is not for the court to pass judgment on this,” a spokesperson told German media.
The most crucial point, according to the court, was that the musician’s performance “did not glorify or relativise the crimes of the Nazis or identify with Nazi racist ideology”, and nor was there any evidence that Waters used propaganda material in his show, the spokesperson added.
Criticism of the decision came from the International Auschwitz Committee, which called it “deplorable”. Christoph Heubner, the committee’s vice-president, said: “It’s not only Jewish survivors of German concentration and death camps who are left sad, bewildered and increasingly disillusioned.”
A “cause of great concern” for survivors and their families was what he called an “encroachment of antisemitism from various directions” in society.
Heubner said the court’s declaration – that to hold the concert in the Festhalle was not an offence to the dignity of the Jewish men rounded up there – was “a renewed attack on the dignity of these people and the memories of their families”.
Josef Schuster, the president of the Central Council of Jews in Germany, said he was “baffled” by the court’s decision “that a display of symbols based on National Socialism should have no legal consequences”.
In Germany, there are strict rules banning displays of Nazi memorabilia and symbols such as the swastika.
Waters has repeatedly denied accusations of antisemitism and claimed his disdain is towards Israel, not Judaism, accusing Israel of “abusing the term antisemitism to intimidate people like me into silence”.
He defended his use of the pig symbol, saying it “represents Israel and its policies and is legitimately subject to any and all forms of non-violent protest”. He said the balloon also featured other symbols of organisations he was against, such as the crucifix and the logos of Mercedes, McDonald’s and Shell Oil.
Die Lichter sind noch an, das Konzert hat noch nicht begonnen, da dringt Roger Waters‹ Stimme schon durch die Lautsprecher: »In einer Angelegenheit von öffentlichem Interesse: Ein Gericht in Frankfurt hat entschieden, dass ich kein Antisemit bin. Ausgezeichnet«, ruft der Pink-Floyd-Mitbegründer auf Englisch durch die Hamburger Barclays-Arena.
Weiß auf Schwarz erscheinen seine Worte auf der Leinwand über der Bühne. Von den etwa 6500 Zuschauerinnen und Zuschauern, die an diesem Sonntagabend den Deutschland-Auftakt seiner »This Is Not A Drill«-Tour verfolgen, gibt es dafür viel Applaus.
Er verurteile Antisemitismus vorbehaltlos. »Außerdem kann ich Ihnen gar nicht sagen, wie sehr wir uns auf den Auftritt in Frankfurt freuen«, fährt der mit ebenso zahlreichen wie sehr gut begründeten Antisemitismus-Vorwürfen konfrontierte 79-Jährige fort - und erntet erneut viel Jubel und Applaus.
Bundesweit hatte es in den vergangenen Monaten massive Kritik an den Auftritten des britischen Rockmusikers gegeben, die im Mai auch in Köln, Berlin, München und Frankfurt am Main anstehen. In Frankfurt wollten die Stadt und das Land Hessen den Auftritt des Sängers wegen Antisemitismus-Vorwürfen verhindern - sein Konzert am 28. Mai sollte abgesagt werden.
Waters hatte aber gegen den Beschluss geklagt und Recht bekommen. Das Frankfurter Verwaltungsgericht berief sich in seiner Entscheidung unter anderem auf die Kunstfreiheit.
Die mannigfachen Antisemitismus-Vorwürfe gegen Waters haben unter anderem auch mit einem Ballon in Form eines Schweins zu tun, auf dem ein Davidstern prangte. Den Ballon schoss Waters in der Vergangenheit dann gern mal mit einem Maschinengewehr ab.
Auch an diesem Sonntagabend fliegt das Schwein während der Pink-Floyd-Songs »In The Flesh« und »Run Like Hell« durch die Arena. Anders als bei früheren Konzerten ist darauf allerdings kein Magen David zu sehen. Stattdessen prangt dort unter anderem auf Englisch der Schriftzug »Von den Armen stehlen und den Reichen geben« sowie die Namen mehrerer Rüstungsunternehmen, inklusive eines israelischen.
Waters wird für seine Nähe zur laut Deutschen Bundestag in Handlungen und Zielen antisemitischen BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) kritisiert, die zum allumfassenden Boykott des Staates Israel aufruft. Auch Äußerungen zum Krieg in der Ukraine sorgten für Aufsehen - etwa, dass Russlands Präsident Wladimir Putin damit den Faschismus in dem Land bekämpfen wolle und dass die USA ein Hauptaggressor seien.
Was also denken die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Barclays-Arena über Waters politische Äußerungen? »Mir geht’s vor allem um die Musik und nicht um die Politik«, sagt der 30-jährige Lukas vor Beginn des Konzerts.
Ein Satz, der in ähnlicher Form häufiger fällt beim Deutschland-Auftakt von Waters Tour. »Die originale Pink-Floyd-Show kann man ja leider so nicht mehr wahrnehmen beziehungsweise die Band, deswegen genießen wir das jetzt hier«, sagt die 35-jährige Sandra.
Tatsächlich kommen sowohl die Songs aus der Zeit von Pink Floyd als auch aus Waters Karriere als Solokünstler gut an in Hamburg. Besonders viel Applaus bekommt der komplett in schwarz gekleidete Brite für den Hit »Wish You Were Here«. Lippen bewegen sich mit zu »all in all, you’re just another brick in the wall«. Und am Ende - nach fast dreistündiger Show inklusive Pause - klatschen viele stehend Beifall.
Politische Botschaften sind dabei den ganzen Abend über präsent. Sie flackern in Videosequenzen und Animationen über die dreidimensionale kreuzförmige Leinwand, die über der ebenfalls kreuzförmigen Bühne inmitten der Arena angebracht ist. Indigene, jemenitische und palästinensische Rechte werden da etwa gefordert - und auch für »Free Julian Assange« gibt es viel Applaus. Der Wikileaks-Gründer sitzt seit vier Jahren in einem Gefängnis in London.
Beim Deutschland-Auftakt seiner Tour wird dem britischen Rockmusiker also viel zugejubelt - und auch außerhalb der Hamburger Barclays-Arena sind der Polizei am frühen Sonntagabend keine Proteste rund um das Konzert bekannt. Anders sieht das in Köln aus: Dort soll es am Montag eine Protestkundgebung geben, bevor Waters dort am Dienstag seinen nächsten Deutschland-Auftritt hat.
Dazu aufgerufen haben unter anderem die Synagogengemeinde und das Katholische Stadtdekanat Köln - die Veranstalter haben laut Polizei 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet.
Eins muss man ihm lassen: Der Mann beherrscht sein Handwerk, auch noch mit fast 80 Jahren, die an ihm nicht spurlos, aber doch gnädig vorbeigegangen zu sein scheinen. Roger Waters, Held mehrerer Generationen von Musikfans, der Mann, der Pink Floyd war (David Gilmour wird an dieser Stelle womöglich aus dem Text aussteigen), ist live noch immer eine Macht. Die Shows seiner aktuellen „This Is Not a Drill“-Tour sind, wie man heute sagt, immersive Erlebnisse. Wer dabei ist, schwimmt in epischer Unterhaltung aus Farben und walzender Wucht.
Da ist aber auch der andere Roger Waters, der politische, wobei man den einen ohne den anderen mittlerweile nicht mehr denken kann. Wer Waters will, bekommt ihn, und zwar in seiner ganzen Fülle. „Der Ex-Pink-Floyd-Musiker ließ es sich nicht nehmen, alle Hits seiner einstigen Gruppe zu präsentieren“, schrieb die Tageszeitung „Le Parisien“ über den ersten der zwei Auftritte in der französischen Hauptstadt in dieser Woche. „Aber er schüttete auch viel von seinen politischen Überzeugungen aus.“ Ab Sonntag ergießen sie sich über Deutschland, fünf Shows stehen im Kalender, Auftakt in Hamburg.
Germany, this is not a drill: Der Ernstfall ist da
84 Konzerte umfasst die verkaufswirksam als „erste Abschiedstournee“ angekündigte Tour des Briten, den US-Teil hat er bereits im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres hinter sich gebracht, seit Mitte März ist Europa dran. Bisher ist die Sache ein großer Erfolg, die Hallen sind gut gefüllt, die Kritiken positiv, aber jetzt eben geht es nach Deutschland, und hier bekommt „This is not a drill“ noch einmal eine neue Bedeutung, nämlich seine eigentliche. Das ist keine Übung, der Ernstfall ist da, vor allem für die Städte, in denen Waters auftritt, neben Hamburg sind das Köln (9. Mai), Berlin (17./18. Mai), München (21. Mai) und Frankfurt (28. Mai).
Waters steht, das ist einer der Hauptvorwürfe, der BDS-Bewegung nahe. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen – und zwar gegen den Staat Israel, um ihn zu isolieren, unter Druck zu setzen in der Palästina-Frage. Der Kampagne wird seit jeher Antisemitismus vorgeworfen, der Bundestag kam 2019 zu der Feststellung: „Die Argumentationsmuster und Methoden der BDS-Bewegung sind antisemitisch.“ Eine Klage gegen den Parlamentsbeschluss zur Ächtung der Bewegung, angestrengt von BDS-Anhängern, wurde 2021 vom Berliner Verwaltungsgericht abgewiesen. Antisemitismus, also. Und Roger Waters, so das landläufige Urteil, macht munter mit.
Roger Waters und die Nazi-Symbolik
Zu zweifelhafter Berühmtheit hat es das riesige Schwein gebracht, das Waters während seiner „The Wall Live“-Tour vor einem Jahrzehnt über die Köpfe der Konzertbesucher schweben ließ, mit dem Davidstern auf der Wange, unweit davon das Dollar-Zeichen. Der Jude und das Geld – ein Klassiker des Antisemitismus. Waters ließ den Davidstern rasch wieder verschwinden, das Schwein aber fliegt bis heute, als Zeichen der Ablehnung von Dogmen und Ideologien, auch im Pariser Bezirk Bercy war es Bestandteil der Show. Genauso wie der schwarze Ledermantel mit Armbinde, prominentester Ausdruck von Waters‘ unzweideutigem Spiel mit Nazi-Symbolik. Das kommt jetzt auf Deutschlands Bühnen. Darf man das zulassen?
Man muss. Trotz allem, trotz der nicht nur in Bildsprache, sondern auch in Worten vorgetragenen Haltung des Musikers, zuletzt hatte er sich mit absurden Aussagen zum Krieg gegen die Ukraine den Stempel des Putin-Verstehers verdient. „Die Äußerungen von Roger Waters“, heißt es von der Hamburger Kulturbehörde, „sind in der Tat mindestens irritierend und widersprüchlich und legen einen Schatten auf sein unbestrittenes musikalisches Werk.“ Das Konzert finde aber „nicht in städtischer Verantwortung“ statt. Also: keine Handhabe, Bühne frei, die Barclays Arena gehört am Sonntagabend Roger Waters und seinen Fans. Was auch für Köln, Berlin, München und Frankfurt gilt, wobei gerade die Frankfurter alles unternahmen, um die Sache noch abzuwenden.
Der Betreiber der historischen Festhalle, in der 1938 nach den Novemberpogromen Tausende Juden zusammengetrieben und in Konzentrationslager deportiert worden waren, ließ Waters nach Beschluss des Magistrats die Kündigung des Vertrags für den Auftritt zukommen. Seine Anwälte klagten erfolgreich, zurück blieb eine düpierte Stadt, der Vorgang bekam weltweit Aufmerksamkeit und mit ihm Waters selbst am meisten. Das nennt man Streisand-Effekt.
Waters wird spielen. Teile der Zivilgesellschaft halten dennoch oder gerade jetzt weiter dagegen, für mehrere Städte sind Protestaktionen und Gegenveranstaltungen geplant, in Köln wird es am Montag eine Kundgebung geben, Oberbürgermeisterin Henriette Reker wird sprechen. Abhalten werden sich die meisten derer, die ein Ticket für eines der Konzerte besitzen, dadurch aber vermutlich nicht. Auch wenn sie sich – aus dieser Pflicht sich selbst gegenüber kommt keiner raus – zu der Sache irgendwie verhalten müssen. Dahinter lauert die unvermeidliche Frage: Kann man Werk und Autor trennen?
Wer seine Weltsicht ablehnt, kann sich laut Waters „verpissen“
Roger Waters macht es den Fans seiner Musik, die zweifellos für die Ewigkeit ist, dabei nicht leicht. Er ist ein Mann in der Radikalopposition, gefühlt zu allem und jedem. Über die gigantische Bühnenleinwand seiner aktuellen Tour oszilliert in Schlagworten seine Agenda, Trans-Rechte, Rechte für Geflüchtete, Reproduktionsrechte, Freiheit für Whistleblower. Für die Schwachen, gegen das Establishment. Und gleichzeitig immer wieder diese Symbolik, die zweite Ebene, das, was Kritiker als antisemitisch bezeichnen.












